DGXLTD – Seriöse Firma oder Betrug?

Ein Kumpel von mir hat vor einigen Wochen einen Anruf von einem netten Herrn bekommen, der ihm eine fantastische Anlagemöglichkeit angeboten hat. Ich hätte gleich aufgelegt, mein Kumpel, nennen wir ihn mal Michael*, hat sich aber von dem Herrn beschwatzen lassen und das Unheil hat seinen Lauf genommen. Über seine Erfahrungen und die Firma, die in kontaktiert hat, soll es in diesem Blogeintrag gehen.

Die “Digital Exchange Limited”

Die Anrufe von dieser “Digital Exchange Limited” oder kurz DGXLTD kamen bei Michael immer aus England. Schaut man auf der Webseite nach einem Impressum, wird man nicht wirklich fündig. Lediglich bei Kontakt wird, neben drei Callcenter-Nummern, eine Adresse in Sofia, Bulgarien angegeben. Bemüht man die Suchmaschine seines Vertrauens, stellt man fest, dass an dieser Adresse nur ein Wohnhaus mit einem Computershop im Erdgeschoss zu finden ist. Für einen “weltbekannten Finanzdienstleister” ist das doch ein recht komischer Firmensitz. Wer die Eigentümer dieser Firma sind, ist hingegen nicht in Erfahrung zu bringen.

Auch die Recherche nach den Eigentümern der Internetadresse führt hier nicht weiter. Die Domain dgxltd.com wurde am 16.09.2019 von einer Firma auf Panama registriert, die diesen Service für Kunden anbietet, die ihre wahre Identität nicht offenlegen wollen.

Seit Anfang des Jahres gibt es auch von der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) eine Anlegerwarnung, da die DGXLTD ihren Offenlegungspflichten nicht nachgekommen ist. Von der BaFin gibt es zwar keine entsprechende Warnung, die DGXLTD wird aber auch nicht von ihr beaufsichtigt. Auch von der britischen Financial Conduct Authority (FCA) und der italienischen CONSOB gibt es entsprechende Warnungen.

Fassen wir also mal zusammen: Kein Impressum, mehrere Warnungen von Finanzaufsichten und eine Domainregistrierung über eine Firma auf Panama.

Die Masche

Diese ganzen Sachen weiß man natürlich noch nicht, wenn man den Anruf des freundlichen “Kundenberaters” entgegennimmt. Das was Michael während des ersten und der weiteren Anrufe passiert ist, ist ein Lehrstück für “social engineering“. In den ersten Telefonaten wurden Michaels Wünsche und seine Persönlichkeit erfasst. Gleichzeitig wurde er “heiß” auf die Renditemöglichkeiten gemacht, mit denen er sich in Zukunft alle (!) seine Wünsche erfüllen kann. Hier ging es noch nicht um Details der Anlage oder welche Firma genau hinter dem “Angebot” steckt, sondern nur darum ihn einzufangen und zu bequatschen. Er wurde täglich von seinem “Kundenberater” kontaktiert und entsprechend bearbeitet.

Der zweite Schritt war dann ihm zum Anlegen eines Accounts auf der Webseite zu bewegen. Die Registrierung war mit dem Überweisen von 250 € verbunden, die dann auch schon Gewinne für ihn erzeugen sollten. Relativ schnell ist dieses Geld dann auch auf seinem Dashboard erschienen und hat scheinbar Gewinne abgeworfen.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich von seinen Aktivitäten erfahren und ihm eindringlich davon abgeraten. Ein kurzer Blick auf die Webseite und mir war klar, dass, selbst wenn diese Firma seriös sein sollte, er auf keinen Fall mit den angebotenen Finanzprodukten agieren sollte. Hebelprodukte mit erheblichem Verlustrisiko sind für Michael auf keinen Fall geeignet (er hat bisher noch nicht Mal Erfahrungen mit normalen Aktien). Sein “Kundenberater” hat ihn im Nachgang aber wieder von der Seriösität der DGXLTD und der Sicherheit der Anlage überzeugt.

Nach einigen weiteren Telefonaten war Michael dann bereit 2.500 € auf sein digitales Konto einzuzahlen. Ihr könnt euch sicher mein Entsetzen vorstellen, als ich davon gehört habe. Leider hatte Michael aber noch weitere Schritte unternommen, die ihm von seinem “Berater” eingeflüstert worden waren.

Kredit für Investment

Nachdem der “Kundenberater” in Michael so ein williges Opfer gefunden hat, hat er ihn nämlich überzeugt einen Kredit in Höhe von 15.000 € aufzunehmen. Verbunden war das Ganze mit dem Versprechen, dass der Kredit durch die Gewinne ganz leicht in kurzer Zeit wieder abbezahlt wäre. Die Vorstellung von einer neuen Playstation und einem ausgedehnten Urlaub, haben bei Michael alle Dämme brechen lassen.

Zu seinem Glück hat ihm die Bank keinen Kredit gegeben und er konnte letztlich von Freunden und seiner Mutter überzeugt werden, dass hier Betrüger am Werk sind. Das Geld, welches er überwiesen hat, ist natürlich weg. Insgesamt 2.750 € hat er so verloren.

Fazit

Die Geschichte von Michael ist sicherlich schon vielen Menschen passiert (und ja, Michael gibt es wirklich und die Geschichte ist auch genau so passiert). Letztlich kann man daraus aber einige Sachen lernen:

  1. Rendite und Risiko verhalten sich immer direkt proportional zueinander (je höher die Rendite, desto höher das Risiko)
  2. Wenn jemand eine Methode gefunden hat, die 1. aushebelt, dann wird er sie dir garantiert nicht am Telefon oder auf einer Webseite verraten (auch nicht, wenn der freundliche Herr das behauptet)
  3. “Gier frisst Hirn” – Sobald du etwas aus Gier heraus tust, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach viel verlieren
  4. Wenn dir jemand schnellen Reichtum verspricht, dann lügt er dich an (siehe auch 2.)
  5. Wenn dich jemand ohne Aufforderung anruft und dir etwas anbietet, dann möchte er garantiert nicht dein Bestes
  6. Investiere nie in Sachen, die du nicht verstehst
  7. Investiere nicht auf Plattformen oder Webseiten, die kein Impressum haben
  8. Investiere nicht bei Firmen, vor denen die Finanzaufsicht warnt
  9. Nimm keinen Kredit für Investments auf
  10. Höre ab und zu auf Leute, die sich mit Finanzen auskennen

Diese zehn Sachen sind für mich so die Key Learnings aus diesem Fall. Hätte Michael sie befolgt, dann hätte er jetzt 2.750 € mehr auf dem Konto.

 

*Michael heißt natürlich nicht wirklich Michael im wirklichen Leben. Ich habe den Namen geändert, um seine Privatsphäre zu schützen.


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